Der letzte Teil der äußeren Hebriden

Wie ging es weiter auf den äußeren Hebriden? Wir gönnten uns zunächst einen Tag Pause. Der Tag war sowieso ein Feiertag, außer der Reihe, denn der Anlass dafür war, dass die schottische Fußball Nationalmannschaft der Männer sich seit 28 Jahren erstmals wieder für die WM qualifiziert hatte. Nunja. Also verbrachten wir den Tag mit Spaziergang, Essen und Besichtigung des Museums von Harris Tweed.
Dann am kommenden Tag, ein Dienstag, wagten wir den weiteren Aufstieg, es ging nach Lewis. Das Höhenprofil des Tages habe ich „Backenzahn mit anschließendem Haifisch Gebiss“ getauft, da weiß dann auch jeder gleich, was los ist. Der Aufstieg war zu heftig, das fährt keiner mehr, selbst die Autos ächzten. Oben dann großartigste Aussichten auf die Gegend und die Seen, hinab wieder in Serpentinen. Auf dem Abschnitt das erste Mal um ein Haar von einem Camping Bulli touchiert worden. Falls Reisen noch nicht aufregend genug sein sollte, sorgt das für weiteren Kick. Puh. Der Tag selbst lud dazu ein, die Regenkleidung immer mal wieder an- und wieder auszuziehen.
Der Übergang von Harris nach Lewis schenkte einen Ausblick auf eine mystische Wasserstraße zwischen 2 Bergketten. Verwunschen sah das aus. Lewis ist im Süden ähnlich dünn besiedelt wie Harris insgesamt. Das will gut geplant sein, auch dass man immer genug zu futtern dabei hat. Wir hatten Sehnsucht nach warmen Tee und Scones gehen ja auch immer. Irgendwann entdeckte ich in einem Ort einen Container, darin betrieb eine Frau einen Wolle Laden. So war da wenigstens schon mal jemand, den man fragen konnte und sie versprach ein Community Center in ein paar Meilen. Wir machten dann erst mal Picknick auf einer Mauer sitzend, ernteten ein paar Daumen nach oben von zwei Bauarbeitern und fanden dann doch das Community Center. Das ist im Grunde ein Dorfgemeinschaftshaus, hat oft einen ehrenamtlichen Cafe Betrieb und in dem speziellen Fall auch noch eine öffentliche Waschmaschine, ein Museum und ein Sozialkaufhaus. Dort gab es für uns was warmes zu trinken und zu essen. Dorfgemeinschaft hat eine sehr große Bedeutung auf den Hybriden. Denn man ist aufeinander angewiesen und trifft sich einfach auch abends immer zum Erzählen, musizieren, tanzen, singen, malen oder einfach nur um was zu trinken miteinander. Das hat eine sehr sehr alte Tradition und gibt es kein Dorfgemeinschaftshaus, dann trifft man sich eben bei den Leuten daheim reihum. Auch ruhig mehrmals die Woche.
Unsere Fahrt ging weiter, schließlich waren noch ein paar Haifisch Zähne zu überwinden, auch wenn die Hügel von Lewis sanfter sind als die Berge von Harris.
Leider war es immer auf der einen Straße, es gibt da nur die eine, die nutzten auch die Autos, und einmal musste ich eine Vollbremsung machen wegen eines überholenden Idioten. Ich möchte diese zusätzlichen Kicks gar nicht haben!
Links und rechts der Straße waren überwiegend Hochmoore. Gelegentlich mal ein paar Häuser, dann wieder Hochmoore. Irgendwann dann endlich die Abzweigung nach links, auf eine andere Straße durch die Hochmoore, dort sollte unser Ziel das Westend B&B in Achmore sein. Wir fuhren und fuhren, nix als Moor und Moor, gelegentlich ein paar Lochs (Seen) dazwischen und plötzlich, zack, steht da ein Container in der Gegend rum. Im Radius von 4km drum herum nichts als Moor. In dem Container: eine Pizza Bäckerei. Kreidetafel draußen, wir bestellten, denn es waren ja nur noch 5km zum Ziel oder so. Wir waren die einzigen Gäste, bekamen einen Summer ausgehändigt, warteten etwas im Nieselregen herum, dann ging der Summer los, Pizza fertig, die haben wir mitgenommen und den Hügel nach Achmore erklommen. Irgendwann dann endlich das Ziel des Tages. Ein ganz bezauberndes B & B, das 2 herrliche Aussichten bot: eine auf das Moor, die andere in den Kühlschrank, der überquoll von frischem Obst. Was für eine Strecke.
Am folgenden Tag ging es nach Stornoway, doch nicht direkt sondern über die Callanish Stones. Das ist ein ein paar Jahrtausende alter Steinkreis, wo auch nicht so klar ist, warum und wozu. Doch ich mag es, mir das anzugucken und bin sehr beeindruckt und finde es toll. Nebenan war eine Farm, die hatten Alpakas und ein Café Betrieb. Es gab auch Schafe mit 4 Hörnern und sie waren ebenfalls noch so eine Art Gnadenhof für Geflügel. Das will auch alles angesehen werden und dann ging es über eine Nebenstraße im Moor nach Stornoway. Das ist der Hauptort auf Lewis, es leben gut 8000 Menschen dort und wenn man vorher in so viel Gegend unterwegs war, dann fühlt sich das an wie Großstadt. Unsere Unterkunft lag noch 10km dahinter in Garrabost, wir hatten einen gemütlichen Pod und wurden mit frischen Eiern versorgt. Eier sind auch ein ganz großes Thema in Schottland, gefühlt hält sich jedes dritte Haus Hühner und dauernd sind Holzkästen am Straßenrand aufgebaut, wo Eier verkauft werden. Meist kosten sie zwischen 2 und 3 £. In Garrabost jedenfalls wohnten wir mit phantastischem Blick auf die Bucht, hatten ein paar Schafe als Nachbarn, konnten bei den Wirtsleuten Wäsche waschen und gelegentlich kamen Austernfischer, Brachvögel, Möwen sowieso, Stieglitze und so weiter vorbei. Wir hatten da drei Nächte gebucht, fuhren einen Tag zurück nach Stornoway um als Regenprogramm das Schloss zu besichtigen und eine phantastische Ausstellung zu sehen über das Leben und die Menschen auf den Äußeren Hebriden, kauften genug zu essen ein und tranken Kaffee. Am zweiten Tag, als der schlimmste Regen durchgezogen war, fuhren wir an die Spitze zum Leuchtturm, konnten Delphine, Schweinswale und Buckelwale in der Ferne sehen und das reichte dann auch schon für den Tag. Denn am nächsten Morgen ging um 7 Uhr die Fähre von Stornoway nach Ullapool, das ist Schottland Festland. Und wer jetzt genau aufgepasst hat beim Lesen, der ahnt es schon: das geht nicht ohne Wecker klingeln. In dem Fall läutete es um 4.30 Uhr. Denn wir mussten ja noch die gut 10km gegen den Wind (war nicht so schlimm) zum Hafen fahren, es waren ungefähr 10 Grad draußen aber wenigstens schien die Sonne schon. Es ging auch alles gut mit der Fähre, die Überfahrt dauerte nur ca 165 Minuten und war ruhig. Ich konnte noch etwas pennen und in Ullapool wartete ein Taxi für uns und die Räder. Das war nicht ganz billig aber gesünder als sich über die Highlands zu quälen, da fahren zu viel Autos und die Steigungen sind extrem.
Doch über diese bereichernde Fahrt und wohin es uns dann verschlug, was es noch zu erleben gab und wie die Tour weiter ging, davon ein anderes Mal.
Fazit der äußeren Hebriden: eine unfassbare wundervolle rauhe großartige einsame Landschaft, die mich oft mit offenem Mund staunen ließ. Das kann doch alles nicht wahr sein, dass das alles so schön ist. Dieser Gedanke war oft gedacht von mir. Großartige hilfsbereite freundliche liebenswürdige Menschen. Beeindruckende Gemeinschaften. Unendlich viel Respekt vor den Lebensbedingungen. Eine reichhaltige Vogelwelt. Der Brachvogel ist unser ständiger Begleiter gewesen. Wechselndes Wetter mit manchmal echt kaltem nervigen Wind. Und eine ganz eigene herbe rauhe Schönheit, die durch das wechselnde Wetter immer anders und immer besonders wirkt.


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