Sehr viel auf und ab: Die erste Woche auf den Äußeren Hebriden

Welch eine Gegend! Schon die Anfahrt auf Castlebay mit der Fähre ist beeindruckend. Wir hatten auch noch Sonnenschein vorigen Sonntag und dann ist da in dieser recht geschützten Bucht diese Burgruine und dahinter auf dem Hügel verteilt liegen graue und weiße Steinhäuschen, wie ausgestreut liegen sie da. Es lagen 5 Stunden Fahrt mit der Fähre hinter uns, irgendwie dachte ich, Castlebay sei größer, immerhin einer der Hauptorte der äußeren Hebriden, weil sie dort eine direkte Verbindung mit dem Festland haben, 1x am Tag fährt die Fähre, gut 1000 Menschen leben da. Der erste Eindruck: es ist hier wirklich sehr weit weg von allem. Castlebay hat 2 Hostel, 2 Hotel, 1 leckeres Restaurant (meist ausgebucht), 1 Post, 1 Lebensmittelladen (der erstaunlicher Weise auch sonntags auf hat), 3 Zapfsäulen an der Straße und einen Kramladen, wo man u.a. Angelbedarf, Strickbedarf und lose Lebensmittel bekommt und der mir noch gute Dienste leisten sollte, denn man erhält dort auch getrocknete Salbei und Thymian Kräuter.
Das Hostel war ein toller Ort mit Wohn- und Esszimmer, Küche und sie hatten sogar eine Sauna, zu der zum Abkühlen ein altes Whiskyfass gehörte, gefüllt mit Wasser allerdings. Wir wohnten in einem 4er Mehrbettzimmer und lernten bei der Gelegenheit Andrea aus Nordirland kennen, die trafen wir später immer mal wieder, sie ist sehr nett und wandert und fährt mit dem Bus. Da war noch jemand in dem Mehrbettzimmer, der wurde irgendwann von der Polizei zurück gebracht und irgendwie war der völlig durch den Wind und mit allem überfordert und wir waren froh, als er auszog. Es wurde dann sehr viel ruhiger und entspannter.
In Castlebay blieben wir 3 Nächte. Am ersten Tag erkundeten wir die Strände von Fatersay, türkises Wasser blauer Himmel, weißer Strand, grüne Wiesen. Am zweiten Tag lag ich mit Erkältung krank im Bett und betrank mich mit Salbei- und Thymian Tee. Was man so macht, wenn es keine Apotheke gibt und man schnell gesund werden will. Die Halsschmerzen verschwanden zumindest nach einem Tag, der Rest dauert noch etwas an.
Von Castlebay ging es nach Süd Uist, das waren nur 40km, gemäßigte Strecke bei Rückenwind und Sonne. Mit Sonne sind es hier so 15 Grad, ohne ist es kälter. Das war auch mit leichter Erkältung gut machbar.
Dann am nächsten Tag ging es weiter von Daliburgh nach Nunton Hostel, wieder meist mit Rückenwind, jedoch bekamen wir original schottisches Wetter zum Erleben: kalter Regen, starker Wind. Das Hostel am Ende des Tages war großartig, es gab viele Geschichten und andere tolle Gäste dort und es war ein behaglicher gastlicher Ort. Überhaupt: Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit, Erzählfreude und Geschichten: das muss man hier alles in Großbuchstaben schreiben, da sind die Schotten Meister, das ist einfach schön, macht Spaß und Freude. Toll.
Leider entschied dann jedoch in Nunton Hostel mein Körper am nächsten Morgen einfach mal auf Migräne umzuschalten. Dann ist ja eher Dunkelheit, Stille und Bewegungslosigkeit das Bevorzugte und so war an Weiterfahrt nicht zu denken. Scheibenkleister.
Zum Glück hatten andere Gäste am Abend zuvor herausgefunden, dass die Taxifahrerin, die für die Gegend zuständig ist, auch ein Fahrrad transportieren kann. Denn wir mussten ja weiter: die Unterkünfte hatte ich ja bereits im Januar/Februar reserviert, es gibt ja nicht so viele hier. Also das Taxi bestellt, vom Eigentümer des Hostels danach erst erfahren, dass er mich auch mit dem Transporter gefahren hätte, und so habe ich eine Etappe ausgesetzt und zum Glück verschwand die Migräne am Abend wieder.
Nächste Tag, also gestern, war Pausetag mit Spaziergang, nichts tun, Vögel beobachten und essen, essen, essen.
Und heute ging es bei bestem Wetter von Grenitote nach Drinisiader entlang der unfassbar schönsten Strandbuchten und Granit Steinfels Küste. Dazu mussten wir allerdings schon um 6.45 Uhr ohne Frühstück los um die Fähre zu erwischen. Fähren sind hier ein sehr besonders Thema, da kann man auch gleich beten lernen, was tut man nicht alles, wenn einem sonst nichts mehr einfällt und man weiter will. Es ist hier einfach der Rand Europas, hier ist nicht viel, da ist man froh, wenn die Fähre überhaupt fährt. Und wir reden hier nicht von den großen Dingern, das sind Fähren wo ca 12 Pkw raufpassen. Die fährt dann 2-3 mal am Tag, morgens nachmittags, abends. Heute kam noch erschwerend hinzu, dass Sonntag ist. Sonntags fahren die Fähren sowieso erst seit 2009 und das war schon ein Mordstheater damals, Busse fahren sonntags immer noch nicht. Außer im Süden der äußeren Hebriden, da ist es nicht so schlimm, da ist es katholischer, die sind nicht so streng mit heiligem Sonntag und so weiter. Hier oben im Norden sind es eher Calvinisten, da ist der Sonntag extrem heilig und zum Ruhen.
Deshalb mussten wir also auch gestern jede Menge Essen einkaufen, weil heute alles zu hat, wir 2 Tage in Drinisiader bleiben und es zum nächsten Laden 8km bergauf geht, das braucht ja auch kein Mensch, wenn nicht unbedingt nötig.
Heute also diese großartige Küste von Harris. Und dann über die Berge an die Ostküste der äußeren Hebriden wechseln. Kaffee und Kuchen hatten wir für heute schon abgeschrieben, es ist ja alles zu. Und dann steht da oben, nachdem wir schon fast oben auf der Kuppe waren, dieser Typ mit einem zur Café Bar umgebauten Wohnwagen, mit einem Generator betrieben, der knattert da so munter in der Gegend rum, und der Typ verkauft besten Barista Kaffee und selbst gebackenen Kuchen. 7 Tage die Woche und 10 Monate im Jahr und er ist ein bisschen stolz, dass er den einzigen Laden von Harris betreibt, der sonntags geöffnet ist. Er behauptet, er habe den besten Job der Welt. Es war ein Geschenk, nicht nur wegen der Kulinarik. Na, wir bekamen neben Kaffee und Kuchen auch noch eine Geschichte, ganz viel Freundlichkeit und Wertschätzung und einen tollen Ausblick. Zum Glück schien die Sonne auch noch dazu.
Dann noch weiter hinauf, wieder hinab nach Drinisiader und jetzt in diesem winzigen Hostel mit Blick auf die Bucht, einem Feuer im Ofen und vielen Nudeln im Bauch. Mehr braucht es ja auch nicht am Ende eines so phantastischen Radeltages.
Morgen soll noch Mal trockenes Wetter sein, noch mal ein Pausetag, bevor es am Dienstag wieder in die Berge Richtung Norden geht. Die Fähre nach Schottland Festland geht Sonnabend in der Herrgottsfrüh von Stornoway.


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