Auf die äußeren Hebriden!

Welch eine Anreise. 3 Tage dauert es, mit Bahn und Rad und Fähre und wieder Rad, noch einmal Bahn, dann wieder Fähre und dann sind wir da. Dabei kann viel schief gehen, aber zuletzt hat sich alles zum Glücklichen gefügt.
Zunächst einmal kamen wir mit 30 Minuten Verspätung in Amsterdam an, doch die Regionalbahn nach Driehuis fährt halbstündig und so quetschten wir uns in das erstaunlich kleine Fahrradabteil und fanden dann entspannt unseren Weg nach Ijmuiden. Die holländischen Radstraßen sind eine Wohltat, schlagartig Entspannung. Check-in und Passkontrolle alles kein Problem und sogar die Sonne schien. Die einzige dunkle Wolke, die da war, war die Unsicherheit, dass wir für die Fähre Oban-Castlebay keine Fahrrad-Tickets vorab buchen konnten, ausverkauft hieß es. Etwas Spannung muss dann wohl doch sein.
Die Überfahrt nach Newcastle lief sehr ruhig, es dauerte nur ewig, bis wir endlich vom Schiff runter waren. Passkontrolle und der officer ließ sich von jedem erzählen, was sie so im Urlaub vorhaben. Dann endlich entlang des Hadrian Walls nach Newcastle. Hübsche Promenade am Wasser. Doch auf uns wartete das Abenteuer Bahnfahrt, also ab zum Bahnhof. Reservierte Tickets am Automaten holen und da waren schon die ersten seltsamen Sachen. 4 Züge, also 3x umsteigen und die Radreservierung setzte erst Mitte des letzten Abschnitts ein. Na, wir nahmen einen Zug früher nach Edinburgh, sicher ist sicher. Die durch die DB geprägte Skepsis zahlte sich aus, der reguläre Zug hatte Verspätung und so waren wir doch rechtzeitig zum Umsteigen in Edinburgh. Die Räder mussten wir im ersten Zug in einer Telefonzellen großen Box hochkant lagern, zum Glück gab es keine Schäden. Der zweite Zug war besser, der dritte ein S-Bahn ähnliches Fahrzeug und dann kam die letzte Bahn, Umstieg in einem Vorort von Glasgow. Super entspannter Schalterbeamte, der vor allem aufgeregte Reisende beruhigt. Der Schaffner allerdings meinte, dass er uns eigentlich nicht mitnehmen darf, weil wir ja erst eine Reservierung ab Mitte der Strecke hätten und ab da kommen noch 2 andere Räder und dann ist es zu viel. Aber er war großzügig und wir also rein, Räder an der Decke aufhängen, alles ganz hastig. Zu dem Zeitpunkt gab es noch die Illusion, wir könnten pünktlich ankommen.
Zunächst einmal: es war eine atemberaubende Landschaft. Alles mit einer melancholischen Patina aus Wolken und Nebel. Hügel und Berge, erst Laubwald, später Nadelwald, Hänsel und Gretel waren zu erahnen. Die Zweige der Bäume peitschten gegen den Zug, der recht ordentlich bergan schnaufte. Die Strecke war eingezäunt, einmal sahen wir einen sehr kräftigen Rehbock direkt hinter dem Zaun. Bergbäche wie im Schwarzwald. Wirklich zauberhafte Strecke.
Dann stellte sich raus, dass es nur eingleisige Strecke war, eine war nicht befahrbar. Deshalb also ständig anhalten und Entgegenkommende Züge durchlassen. Das summierte sich dann auf 85 Minuten Verspätung auf. Der Zug Fahrer wollte das wohl bei der Abfahrt wieder reinholen, was ihm nicht gelang sondern nur dazu führte, dass die Bahn plötzlich bedrohlich rechts-links schwankte. Mehr Seegang als die Nacht zuvor auf der Nordsee. Dann gab es das Versprechen, dass wir unser Geld zurück bekommen, weil wir so spät waren.
Endlich endlich in Oban, Regen dort, doch das nette B&B war nicht weit. Die Tickets sollen wir jetzt einreichen, damit wir das Geld zurück bekommen. Das muss mit Brief und Post und Briefmarke geschehen, am Bahnhof erhielt ich heute Vormittag am Schalter dann zumindest schon mal einen Umschlag. Schauen wir mal, ob das klappt.
Bleibt noch die Spannung mit der letzten Fähre, die nach Castlebay, die für Radfahrer ausverkauft war. Dort bekamen wir am Schalter auch nur Fußgänger Tickets und keine für die Räder. Dafür aber auch ganz viel Zuversicht. Würde vielleicht klappen. Die Spannung blieb, wir reihten uns sehr weit vorne ein, warteten im Regen, gerieten an einem freundlichen Einweiser für die Fähre und Zack, rauf auf das riesige Schiff. Puh. Zum Glück.
Jetzt fuhren wir erst durch phantastische Küstenlandschaft bei Regen und Sonne, inzwischen sind wir auf hoher See und es schwankt ähnlich wie gestern der Zug. Nach 5 Stunden sollen wir endlich in Castlebay sein, das sind noch 2 weitere Stunden und morgen geht’s endlich los aufs Rad.


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