Fundstücke am Wegesrand II

Wenn mich jemand fragt, weshalb ich Finnland so mag, dann antworte ich meist, dass es am Wald liegt, den vielen Seen, der endlos wirkenden Weite und dem damit verbundenen Platz. Und wegen der Menschen, so wie ich sie bisher erlebt habe.
Es wirkt auf mich, als gäbe es hier mehr Macher und weniger Schnacker, es hat wenig grelles und schrilles, ich mag das unaufgeregte, das verbindliche. Es mag auf den ersten Blick vielleicht kühl oder distanziert wirken, doch so erlebe ich es nicht. Es ist eher eine ruhige Aufmerksamkeit.
Hier ein paar Begegnungen, es ist nicht viel, doch es färbt meinen Blick.

Da war diese Frau, sie sah mich sitzen tropfnass auf einer Bank unter einem Dach vor einem Supermarkt. Ich brauchte eine kurze Rast, bevor es im Regen weiter ging. Sie schaute freundlich, verständnisvoll, vielleicht war auch ein wenig Mitleid im Blick. Ich antwortete mit einem Lächeln ‚it is very very wet‘ und sie sprach weiter auf finnisch und verstand mich vielleicht genau so wenig wie ich sie. Doch in dem Moment war da Verständnis und Verbindung ohne Verstehen der Worte.

Da war da dieser Feuerwehrmann, der Tanks mit Wasser auffüllte und den ich fragte, ob ich meine Wasserflasche auffüllen dürfe (Grüße gehen an dieser Stelle raus an Sebastian) und der dann, mit einer gewissen Entrüstung ein ’selbstverständlich‘ sagte, als wolle er mir sagen, darum braucht man nicht bitten, das bekommt man einfach.

Da war diese Frau an der Bushaltestelle, wo ich vorbei fuhr. Es ging bergan und manchmal gucke ich böse bei den Bergen und zeige dem Berg die Zähne, weil es so anstrengend ist. Doch ich möchte keine Menschen böse anschauen, also lächelte ich, als sich unsere Blicke kurz trafen. Ich meine, es ist ja auch ziemlich komisch, dass ich so viele Kilometer strampel und das auch noch gerne, andere Leute sitzen in der Zeit im Liegestuhl. Jedenfalls sprach sie mich an und natürlich verstand ich kein Wort. Weil ich nicht achtlos weiterfahren wollte, hielt ich kurz an um zu bedauern auf englisch, dass ich ihre Sprache nicht spreche. Sie sagte ‚I am wishing you luck!‘

Das kommt oft: gute Reisewünsche und Wünsche für schöne Erlebnisse.

Da war dieser Mann, der radelte von der Arbeit heim und wartete mit mir unter einer Brücke auf das Ende des Regenschauers. Und er erzählte einfach nur so, dass er noch zum Orientierungslauf Training müsse im Wald mit Kompass. Und dass an Mittsommer nicht nur alle Finnen feiern sondern auch sehr viel trinken und es gefährlich werden könnte auf der Straße dann.

Da war die Hotelbetreiberin, die mir sagte, ich könne mein Fahrrad am besten vor dem Zimmer im zweiten Stock parken und es sei egal wie schmutzig es ist. Am nächsten Morgen erklärte sie mir noch das finnische Nationalgericht: kleine herzhafte Mürbeteig Gebäckstücke mit Milchreisfüllung, man ißt sie mit Eibutter.

Da war dieser Café-Betreiber aus Malmö, verheiratet mit einer Finnin, der spricht mindestens 5 Sprachen, machte 10 Jahre Qualitätssicherung bei einer Firma in Berlin. Jetzt hat er sich das Backen beigebracht und hat große Freude daran. Gäste zu bewirten und stellt Radlern auch schon mal einfach so die Ränder der Blechkuchen hin, wenn sie sich dort aufwärmen und auf das Ende vom Regen warten.

Da war dieser Fahrradtechniker, der nicht lange schnackte sondern sofort das Rad reparierte und dann große Schwierigkeiten hatte, Trinkgeld für die Kaffeekasse anzunehmen.

Da waren diese 5 Typen in Teijo vor dem Mini Laden-Café-Post-Dorftreffpunkt, mitten im nichts. Zwei sahen aus wie ZZTop, zwei sahen aus als seien sie Türsteher auf dem Kiez, richtig harte Typen. Zwischen ihnen in der Mitte ein fünfter mit Gitarre und Kopfhörern. Was er spielte, klang eher wie ein Liebeslied und alle summten mit.

Dies sind nur einige Begegnungen, doch sie spielen eine gewisse Melodie und die gefällt mir sehr.


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