Beppo der Straßenkehrer

Heute hatte ich wieder viel Gelegenheit, mit ganz unterschiedlichen Menschen zu sprechen. Meist wollen sie wissen, wohin ich möchte woher ich komme, seit wann unterwegs.
Ich antworte meist, dass ich bis Ende August Zeit habe und Sabbattical mache dass ich entlang der Küste fahre und im August mit der Fähre ab Helsinki bis Travemünde fahren möchte.
Dann gucken die Leute meist ganz verständnisvoll, sagen super Sache und wie toll. Manchmal spreche ich dann noch weiter und sage, dass ich etwas Bammel habe vor dem Norden, ob ich gute Abstände habe für die Etappen und ob ich immer genug zu Essen finden werde, denn die Besiedlung ist ja dünner.
Dann sagen sie, dass das stimmt, aber vielleicht muss ich ja auch nicht ganz so weit in den Norden von Schweden.
Ich antworte dann, dass ich ja bis Helsinki möchte.

Dann ist immer einen Moment Stille.
Wirklich bei allen Leuten.

Und dann kommt immer die gleiche Frage: how do you get to Finnland?
Ich antworte immer gleich: along the coastline, there is a boarder up in the very north.

Dann dauert es immer noch einmal einen Augenblick und dann wird den Leuten das Ausmaß dieses Abenteuer bewusst.
Es war bisher immer das gleiche Verhalten. Und ungefähr die gleiche Geschwindigkeit bei allen Gehirnen.

Ganz ehrlich: mir wird dann auch immer das ganze Ausmaß des Abenteuer bewusst.
Da ist dann erstmal wieder Kloß im Hals und beklommen sein. Richtig dicker Kloß im Hals.

Das ist nicht gut.

Ich denke dann an Beppo den Straßenkehrer aus ‚Momo‘.
Oder an das Gedicht von Rilke: man muss den Dingen die ganz eigene und ungestörte Entwicklung lassen die tief von innen kommt und durch nichts gedrängt oder beschleunigt werden kann……
(Schau es gerne nach, es ist wunderschön und geht ein paar Zeilen)

Und vielleicht geht es auf dieser Reise genau darum. Geduld, Demut, Vertrauen. Und gar nicht mal so sehr um Freiheit. Oder eher die innere Freiheit: für sich selbst eine gute Entscheidung zu treffen und nachsichtig zu sein mit sich selbst.

Oder, wie Beppo weiß: immer nur das nächste machbare betrachten um nicht den Mut zu verlieren.


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